Martin Fengel ist einer unserer Lieblingsfotografen. Er ist der Junge, der für uns Happy Kreuzigung in Manila fotografiert hat. Neben seiner Passion für schöne Fotos steht er auch ziemlich darauf, kreuz und quer durch die Welt zu reisen. Zuletzt hatte es ihn nach Rumänien verschlagen, und nach seiner Rückkehr schrieb er uns einen netten Brief über seine Zeit dort. Wir danken Martin, dass er für uns ein paar Fotos gemacht hat, damit wir nicht mehr zwingend selbst dorthin müssen.
In der guten alten Zeit war Kopenhagen mal die Tätowier-Hauptstadt Skandinaviens. Im frühen 19. Jahrhundert ließen sich total betrunkene Seemänner von wahrscheinlich genauso betrunkenen Tätowierern einen zusätzlichen Adler, oder Anker oder was auch immer zu ihrer Tattoo Sammlung dazu stechen, die sie in den Häfen von New York, Hamburg, im Fernen Osten, und so weiter angefangen hatten.
Volker
Gerling lässt die Tradition des fahrenden Volkes wieder aufleben und zieht mit
einem Bauchladen voller Daumenkinos von Ort zu Ort. Der selbst ernannte Daumenkinograf
unterhält die Leute mit Ein-Zuschauer-Kino.Eigentlich
hat der Neo-Landstreicher Regie und Kamera studiert, aber entdeckte dann die
Schnittstelle zwischen Film und Foto für sich.
Die Leute kriegen irgendwie nicht genug von Ryan McGinleys Höhlenfotos, von denen wir euch ein paar in der diesjährigen Photo Issue gezeigt haben. Ja, OK, die meisten reiten auf den Farben herum und den meisterhaften Kompositionen und geben bedeutungsschwangere Interpretationen zum Besten wie angebliche Referenzen zu Tom Sawyers „Abenteuergeist“ oder aber irgendwelche biblischen Bezüge. Dabei ist es vor allem eine Sache, die sich richtiggehend aufdrängt: es handelt sich hierbei konsequent um Fotos von Vaginas. Ich meine, OK, es sind Höhlen. Aber die surrealen Farben machen sie irgendwie auch zu Georgia O’Keefe-mäßigen Bildern. Du musst nicht mal pervers, Freud oder beides sein, um das zu sehen.
Karron Bridges ist eine Fotografin aus Westaustralien, die in der Zeit aufgewachsen ist, als Fotografie noch eine manuelle Sache war und es harte Arbeit war, ein gutes Foto hinzukriegen. Sie hält schon länger Sachen auf Film fest, als die meisten von uns am Leben sind. Auf der Suche nach interessanten Subjekten ist sie schon in so mancher merkwürdiger und komischer Situation gelandet. Karron hat viele Jahre damit zugebracht, gesetzlose australische Bikergangs zu begleiten und ihr Portfolio ist ein einzigartiger Einblick in diese geheime Welt. Außerdem hat sie Nutten, Neonazis und Aboriginies fotografiert, als sie ein halbes Jahr im Northern Territory gelebt hat. Kurz, Karron war einfach nie langweilig.
Irgendwann zerbröseln wir alle. Gewalt, Krankheit, Krieg, Sterben und Tod stehen im Mittelpunkt der Ausstellung Darkside II im Fotomuseum
Winterthur, die heute ab 18 Uhr ihre Vernissage feiert. Miron Zownir, Weegee , Cindy Sherman, Enrique Metinides, Nan
Goldin, F. Holland Day, Peter Hujar, Miyako Ishiuchi, Sally Mann, W.
Eugene Smith, Francesca Woodman und viele andere zeigen mit ihren Fotografien die dunklen Untiefen der menschlichen Seele auf und beschäftigen sich mit dem menschlichen Verfall. Die Austellung dauert bis zum 15. September, dann segnet auch sie das Zeitliche.
1989
hat sich Gavin Watson der Dokumentation der Skinhead-Kultur abgewandt,
nur um der einzige Mensch zu werden, der in der Ecstasy-Wolke, die in
diesem Jahr England umhüllte, noch in der Lage war, eine Kamera zu
bedienen. Rave war zu dieser Zeit eine Revolution, auch wenn er
mittlerweile mehr als totgetrampelt worden ist. Wir haben uns mit Gavin
über die goldenen Momente unterhalten, als du noch die ganze Nacht auf
einer Pille durchtanzen konntest und außerdem über die Fotos, die er in
dieser Zeit gemacht hat und jetzt in seinem neuen Buch Raving `89 zusammengestellt hat.
„Ein neugeborenes Kalb schaut mich an. Was weiss sie schon von ihrem Schicksal? Was fühlt sie wegen dieser vier Wände um sie herum, was denkt sie über Panik und Angst?“ Gott, das ist ein ziemlich schwerwiegender Gedankengang für ein Bild von einer kleinen Babykuh. Aber so funktioniert nun mal der Kopf von Johan Emanuelsson, dem 30-Jährigen Sohn eines Bauern, der in letzter Zeit permanent unsere Herzen bricht mit seinen Fotos aus dem Alltag auf dem Land voller Schmerz, Verzweiflung, Hunde und ja, Kühen. Johan hat damals angefangen, auf einem Bauernhof Bilder zu machen, nachdem sein an Schizophrenie leidender Zwillingsbruder sich dort umgebracht hat. Ein paar Jahre später hat er angefangen, als Assistent für Anders Petersen, die schwedische Fotografie-Ikone, zu arbeiten und auch die Nachmittagsschicht beim Melken mit übernommen. Jetzt ist Johan die hell strahlende Hoffnung, für alle, die harte und schöne Fotos lieben.
Das Abashiri-Gefängnis ist Japans unbekanntester Kerker aus der Meiji-Ära. Auf den abgelegenen Ausläufern Ost-Hokkaidos errichtet, wurden dort politische Gefangene und gefährliche Kriminelle dazu verdammt, lange, manchmal unbegrenzte, Strafen in diesem kleinen Höllenloch abzusitzen. Das harte, sibirische Klima forderte beinahe genausoviele Leben, wie die elenden Lebensbedingungen selbst. Aber Japaner mögen all diesen niederschmetternden, traurigen Scheiss nicht. Deswegen haben sie das Gefängnis abgebaut und es auf einem ein paar Kilometer entfernten Hügel wieder aufgebaut und es in ein animatronisches, spassiges, Knast-Disneyland verwandelt. Nachdem es versetzt wurde, wurde an der gleichen Stelle ein noch immer in Betrieb befindliches Hochsicherheitsgefängnis errichtet. Es ist zweifellos auch nicht annähernd so schlimm ist, wie der alte Abashiri-Gulag, aber es ist immer noch kein Wochenendausflug.
Der ehemalige Bauer Karl-Åke Karlsson ist im Elch-Safari-Geschäft seit er damals 1990 seine ganzen Haustiere verkauft hat und sich dafür einen Elch angeschafft hat. Alle Touristen müssen bei ihm im Auto bleiben. Aber diese Regel gilt natürlich nicht für Karl-Åke selbst. Er und die Herde sind eins und im Gegensatz zu dir darf er jederzeit ganz nah herangehen und sie streicheln, wenn ihm danach ist.
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