Claudia ist Makeup-Künstlerin und Regisseurin und unter dem Namen Dr. Rotten bekannt. Sie hat gerade eine DVD herausgebracht, die The Rotten Box heißt, was aber nichts mit damals zu tun hat, als sich Chlamydien durch ihren Unterleib zu fressen drohten, sondern es handelt sich um eine Kollektion der feinsten Goresachen, die jemals aus der Alpenregion gekommen sind.
Vice: Beim Porno ist eine Geschichte ein Bonus, aber eigentlich geht es um den Cumshot. Wie wichtig ist eine gute Geschichte bei einem Gorefilm?
Claudia Rindler: Es ist wichtig, aber gute Geschichten zu finden, ist gar nicht so einfach. Wenn du etwas Lustiges machen willst, dann kriegst du mit etwas Alkohol meistens schon irgendwas hin. Wenn du aber was Ernsthaftes machen willst, dann ist es von Vorteil, wenn du jemand an der Hand hast, der gut schreiben kann und genauso gestört ist wie du und außerdem zufrieden ist, wenn er für seine Arbeit ein paar Bier oder sexuelle Gefälligkeiten kriegt.
Wo wir schon mal dabei sind, ist es klug, Porno mit Gore zu vermischen?
Na ja, du solltest nicht direkt Porno mit Gore vermischen, aber Sex gehört auf jeden Fall dazu. Sex und Horror passen perfekt zusammen. Es gibt auch dieses ungeschriebene Gesetz, nach dem jeder, der im Film Sex hat am Ende sterben muss. Hart, oder? Gut aussehende Schauspieler in Blut und Eingeweide getaucht sehen aber immer sexy aus.
Wie sieht man denn sexy aus, wenn man tot ist?
Man sollte immer vorbereitet sein. Egal, was du machst, du solltest dabei immer gut aussehen. Es macht keinen Unterschied, ob du bis morgens um fünf feiern warst und auf dem Nachhauseweg ein paar Büsche mitgenommen hast oder nicht, du weisst nie, wann der Tod um die Ecke kommt. Also mach dir die Haare, schmink dich und denk dran, immer zu lächeln.
Worauf kommt es bei einem guten Gore-Schauspieler an?
Wenn du einen Schauspieler auswählst, gibt es da ein paar einfache Tests, die darüber entscheiden, ob er es in den Cast schafft oder nicht. Wenn es ein Mann ist, solltest du ihm eine Knarre oder ein Messer in die Hand drücken und bitten, die verrückteste Grimasse zu schneiden, die er hinkriegt. Wenn es ein Mädchen ist, kannst du die Waffen weglassen und sie sollte einfach so laut schreien, wie sie kann. Dann-und das ist wahrscheinlich der wichtigste Test-frag sie, ob sie umsonst arbeiten werden. Wenn ihre Antwort „Ja" ist, dann sind sie engagiert.
Wie würdest du das mit umsonst Arbeiten einem Schauspieler erklären, der sich sagen wir mal bei lebendigem Leib fressen lassen soll?
1. Ganz kurz bevor du anfängst zu drehen, flüsterst du ihm ins Ohr, „Sorry, tut mir echt leid, aber ich habe gestern nacht mein ganze Geld bei einer Runde Poker verbraten und kann dir nichts zahlen. Gorefilme haben in der Regel keine grossen Budgets zur Verfügung. 2. Gib demjenigen eine Menge Alkohol. 3. Wenn nichts davon funktioniert, lasse ich mir von meinen Bulldoggen helfen.
Wie wählst du die richtige Location für einen Gorefilm aus?
Oh, ich mag zum Beispiel die schottischen Landschaften, die Ruinen und so. Ich liebe diese alten Edgar Wallace-Filme mit den Burgen. Hier in der Schweiz ist es nicht gerade einfach, eine gute Location zu finden. Ich glaube im Osten von Deutschland findest du ein paar gute Orte, weil es da eine diese alten „Geisterstädte" gibt, wo eine Menge leerer Häuser und Gebäude rumstehen.
Wenn jemand einen Gore-Film drehen will, würdest du ihm dann eher raten, seine Zeit in Notaufnahmen zu verbringen oder auf den gefährlichen Stücken der Autobahn abzuhängen?
Ich habe einen guten Freund, der Doktor der Forensik ist. Er schickt mir ab und an Bilder realer Fälle. Das ist eine grosse Inspiration für mich. Ausserdem lese ich viele Bücher über Serienmörder, ebenfalls eine gute Inspirationsquelle. Wahrscheinlich ist es gefährlich auf Autobahnen abzuhängen.
Wie erklärt man Kindern Gore?
Man erzählt ihnen einfach, dass alles fake ist und sie werden es lieben. Das hat schon oft bei Kindern funktioniert und war immer cool und witzig. Eine Mutter erzählte mir einmal, dass sie mit ihrem Sohn keine Horrorfilme mehr ansehen kann, weil er ständig, „Langweilig, ich weiss wie sie das machen, ich kann die Schläuche sehen, aus denen das Blut kommt", und sowas schreit, seit wir mit ihnen gedreht haben. So ging eine heile Mutter/Sohn-Horrorbeziehung zu Bruch.
Also, was ist der beste Weg Kinder umzubringen?
Nun, ich bin von Gefäßen und Töpfen besessen. Ich glaube sie sehen in Filmen, Fotos oder als Dekoration immer grossartig aus, deswegen meine ich, dass es nicht wirklich darauf ankommt, wie man die kleinen Ficker um die Ecke bringt-solange man sie danach in einen Topf stopft.
Was ist ein gutes Rezept für Blut?
Geh Mitternachts in den Garten und pflücke ein paar Himbeeren. Koche sie mit etwas Zucker bei Vollmond. Füge zwei verottete Froschschenkel und ein Kuhauge hinzu. Mix das alles, tanze dreimal drum herum und sage: „Verwandel dich in Blut, verwandel dich in Blut, verwandel dich in Blut." Du wirst nettes, rotes Blut bekommen oder zumindest etwas, das recht lecker ist.
Von wem glaubst du, dass er den inspirierendsten Tod gestorben ist?
Klaus Kinski natürlich. Er starb so oft, in so vielen Filmen and er starb immer grossartig. Mein Lieblingstod war der in Nosferatu. Wenn du dich auf Special-Effects beziehst, war es wohl Tom Savini in Maniac. Er schiesst sich mit einer Knarre selbst in den Kopf, der mit unfassbar viel umherspritzendem Blut explodiert. Verdammt, ja!
Kann man auch zu weit gehen?
Wenn ich einen Krankenwagen auf dem Set höre, vielleicht. Nein, ich glaube nicht, dass man zu weit gehen kann, besonders mit Special-Effects. Solange niemand verletzt wird und alle Spass haben ist auch alles gut.
Wenn du ein junger Typ bist und denkst, dass Claudias verdrehter Sinn für Humor, ihr fein ausgeprägter Sinn fürs Perverse und ihre Messerfertigkeit genau das richtige für dich ist, dann tut es mir leid, dich hiermit zu enttäuschen. Den Ring hat ihr bereits der Satan höchstpersönlich an Finger gelegt, am 6. Juni 2006.
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Schon ein bisschen krank oder? Naja, aber Beruf unf Berufung auf einen Nenner zu bringen, das schaffen nicht viele. Respekt dafür und vielen Dank für das interessante Interview!
Kommentiert von: Pauschalreisen | 08. Januar 10 um 15:27 Uhr