Diese Woche ist Andreas Golder bei Art Talk! zu Gast. Ich traf Andreas in einer dieser betrunkenen Nächte, in denen du in einer Bierwolke umhertreibst und erst am nächsten Morgen entschlüsseln kannst, was eigentlich so alles passiert ist. Er gab mir einen Flyer für eine Ausstellung, die er zu der Zeit hatte, und ich sagte wahrscheinlich etwas Beleidigendes über sein Shirt, das ich wirklich lustig fand. Einen Monat später fand ich den Flyer, als ich meine Schreibtischablage aufräumte, und beschloss, mir das mal anzusehen. Glücklicherweise schätzte er meine Aufrichtigkeit bei unserem ersten Treffen (oder ich war wirklich lustig), denn er lud mich ein, mit einer Kamera in seinem Studio herumzustöbern. Entweder das – oder er hat ein Schlepprad mit meinem Namen drauf irgendwo in einer Ecke rumstehen, das nur auf den richtigen Moment wartet, von mir entdeckt zu werden.
Nachdem ich mir seine neusten Arbeiten angesehen habe, bleibt mir nur zu sagen, dass er einer der unprätentiösten deutschen Künstler überhaupt ist (Das ist ein grosses Lob, wenn du weisst, wie deutsche Künstler für gewöhnlich drauf sind). Er hat einen Weg gefunden, Trash und klassische Kunst miteinander zu verbinden, ohne, dass es abgedroschen wirkt. Seine Bilder und Skulpturen haben eine Qualität, deren abhängig machende Wirkung ich abzuschütteln versuche, seit wir das Interview geführt haben.
Vice: Hi Andreas, danke, dass du vorbeigekommen bist.
Andreas Golder: Kein Problem, ich konnte deine Mail nicht lesen, weil mein Computer abgestürzt ist. Zuviele Pornos, nehme ich an.
Passiert. Also, als wir uns das letzte Mal trafen, bereitetest du gerade deine Einzelausstellung im White Cube vor, wie ists gelaufen?
Ich hatte einen Raum oben für mich alleine, also haben wir ihn mit schwarzem Samt ausgelegt, die Wände dunkelgrau gestrichen und eine Soundinstallation mit einem menschlichen Herz gemacht, um die Bilder und Skulpturen zu untermalen. Es war wirklich dunkel.
Nett.
Ein paar Besucher bekamen Angst und mussten gehen, aber insgesamt war es eine großartige Erfahrung. Irgendjemand nannte es “Schuljungenhumor”, aber dagegen habe ich nichts, ich mag Schuljungenhumor.
Im Ernst, das ist der Beste. Was hast du seitdem sonst noch so gemacht?
Naja, als ich nach Berlin zurückkam, war ich völlig pleite. Das war bizarr–ich hatte gerade eine Ausstellung im White Cube und konnte mir noch nicht mal das U-Bahnticket vom Flughafen zurück leisten. Aber eine Woche später rief Matthias Arndt an und sagte: “Hey Andreas, kannst du eine Ausstellung machen?”. Damit war ich bis April gut beschäftigt.
Als wir filmten, verbrachten wir viel Zeit damit, alte Medizinbücher mit Bildern von zerlegten Leichen anzusehen. Es ist interessant, zu sehen, wie du diese Bilder in deinen neuen Arbeiten aufgegriffen hast.
Ja, ich bin inzwischen bei der Renaissance angelangt und dringe weiter in der Kunstgeschichte vor – besonders Da Vinci und klassische Skulpturen interessieren mich. Ich zeichne jetzt wirklich anders.
Du scheinst jetzt viel mehr Farben zu verwenden.
Ich hatte meine Palette auf sechs Farben reduziert, als ich die dunkle Serie malte, und jetzt verwende ich über zwanzig. Nach einem Jahr langweilten mich die sechs Farben. Es war aber leichter, mit sechs Farben zu malen, weil alles zusammenpasst und funktioniert.
Hörst du immer noch soviel Black Metal?
Nein, ich höre jetzt am liebsten barocke Opern, aber das ist im Prinzip dasselbe, weißt du?
Seht euch auch Art Talk mit Andreas Golder auf VBS.TV an.
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