Da gibt es dieses alte Märchen aus der nordenglischen Soulszene, damals aus der Zeit, als der Skinheadlook das erste Mal populär wurde, so 1969 oder 1970. Die Legende besagt also, dass während einer unbekannten Partynacht in irgendeinem Club in Manchester, auf einmal die Fluchttür aufging und eine ganze Gang von Skins reinplatzte. Alle hörten auf zu tanzen und warteten auf den grossen Knall. Der Anführer—prachtvoll in einen Cashmere-Crombie und ein paar Levi’s gehüllt, die sorgfältig genau einen Zentimeter über dem Saum seiner dunkelbraunen Loakes-Brogues umgeschlagen waren—sprang auf einen der Tische und verkündete, dass sie gekommen waren, um „alle Philister totzuschlagen, die die falsche Kleidung tragen“, und dass sie besonders auf diejenigen achten würden, die Billigschuhe tragen. Oder um genauer zu sein, sagte er, „We’re gaahna kick the facking shit outtah any cant who int wearin the right facking shoes in ere tonight. Facking slaaaaags.”
Vice: So die Leute kennen dich also als Fred?
Fred the Shoe: Fred the Shoe.
Der Name ist grossartig.
Jetzt mach dir nicht vor Begeisterung in die Hosen, mein Junge. Ich hab einfach diesen Namen abgekriegt. Alle alten Typen in den Pubs kriegen irgendwann solche Spitznamen, so läuft das einfach.
Wie lang arbeitest du jetzt schon hier?
Na ja, den Laden gibt es hier schon seit 1860 oder ’61. Der BBC hat neulich eine Reportage gemacht über die Walworth Road und die ganzen Läden und wie es ihnen heute geht. Da hat sich nicht viel geändert.
Brogues waren schon immer mein Ding, meine persönliche Leidenschaft sozusagen. Ich weiss noch, wie ich als kleines Kind das erste Mal damit in Berührung kam. Ich hatte einen Onkel, der immer tadellos gekleidet war und er hatte immer ein wunderschönes Paar Brogues an.
Sie sind wichtig. Sie sind der erste Eindruck. Ich meine, du kannst einen 1000 Euro-Anzug anhaben, aber mit Billigschuhen siehst du dann immer noch unmöglich aus.
Viele Mädchen, die ich kenne, sagten immer, „Schau dir die Schuhe von einem Kerl an und du weisst genau, was er so für ein Typ ist...“
Das stimmt. Du musst sie sauber und in Ordnung halten, wenn das mit den Mädchen gut laufen sollen.
Ist dir schon mal aufgefallen, dass über die Jahre hinweg, immer wieder die gleichen Elemente in der Jugendmode—oder wie auch immer du das gerne nennen willst—auftauchen?
Na ja, das Mod-Ding kommt auf jeden Fall zurück. Ich fahre immer noch gut mit Stücken, wie dem Bass Loafer. Der kam ursprünglich in den 30igern aus den USA und heute verkaufe ich ihn an Jungs und ihre Grossväter.
So ziehe ich mich jetzt an, wie mein Großvater.
Komisch, oder?
Also in den 70igern, als das Mod-Ding aufkam, haben sie damals alle Brogues gekauft?
Nee, ich war ein Mod und trug die damals auch nicht.
Wie sah deine Mod-Schuh-Routine so aus?
In den 60igern, an Orten wie der Rye Lane oder Peckham, wo ich herkomme, und sogar oben im Westen, hiess der Laden, in den jeder ging „Revels.“ Sie haben die schicken italienischen Schuhe verkauft, die einen ganzen Wochenlohn kosteten. Ungefähr zu dieser Zeit haben sie auch den „Driving Shoe“ herausgebracht—den Schuh, der eine Schnalle hatte, die genau hinten in der Mitte hochging. Ich habe nie Schnürschuhe getragen. Und dann gab es noch die Skinheads. Zu diesem Zeitpunkt drehte sich bei ihnen alles um Royals und Doc Martens.
War das die Zeit, als Leute anfingen, Brogues mit Jeans zu tragen?
Ja, die späten 60iger. Aber sogar damals gab es diesen Laden im Covent Garden, der den Beatle-Schuh macht. Der war extrem beliebt.
Ich weiss noch, dass dieser Revels-Laden bis in die späten 80iger da war, als ich nach London zog.
Einmal stand ich an einem Samstag für drei Stunden an, um ein paar Beatle-Boots abzubekommen. Sie kosteten damals drei Pfund und 15 Schilling, als ich vier Pfund pro Woche bekam. Und sie waren blau. Marineblau, wenn ich mich recht erinnere.
Du siehst immer die ganzen Schwarzweißaufnahmen von damals, also ist es ein ziemlicher Schock, wenn du über ein Farbfoto stolperst und realisierst, in wie vielen verschiedenen Schattierungen und Farben es die Schuhe gab.
Ja, es gab viel verrückte Farben. Zu dieser Zeit war auch der „Correspondent Brogue“ extrem beliebt, den es in schwarz-weiss oder braun-beige gab.
Lest am Sonntag in Teil zwei, welche Schätze sich in den ungeöffneten Kartons ganz oben in Freds Regalen verstecken...
DOUGLAS HART
FOTOS: BEN FREEMAN
Das hier sind natürlich Doc Martens. Das Modell gibt es nicht mehr im Handel.
Das sind Alfred Sargents aus Wildleder. Siehst du, so sehen englische Brogues aus. Das siehst du daran, wie der Saum nach unten geht und da auf die Sohle trifft. Das ist Unterschied zwischen englischen und amerikanischen Brogues.
Für die würdest du alles tun—Alf Sargent Correspondents. Leute wie du haben die früher getragen. Journalisten und so.
Die sind von Crocket & Jones und sind ganz schön teuer. Da musst du für ein paar schon mal 270 Pfund springen lassen, aber sie sind immer noch günstiger, als die von Church’s. Die können gut 300 kosten. Ich habe einmal ein paar Freizeitschuhe aus Kroko-Leder für 700 Pfund verkauft.
Das ist ein klassischer Stiefel von Alfred Sargent, den sie um die Jahrhundertwende herum entworfen haben. Brogues gab es schon 1890. Die haben sie getragen, als sie Römer ausgebuddelt haben, Kumpel!
Kommentare