Immer noch auf der Suche nach Antworten durchkämmen wir die Party. Das Publikum ist ähnlich durchmischt wie am Nachmittag, wobei sich der Anteil der bunteren Sorte vergrößert hat. Weiter scheint es, als ob sich viele der Gäste gerne mit Bewusstseinserweiterung beschäftigen – allerdings in weniger akademisch-abgehobener Form. Fröhlich-frostig zucken die Leiber von speziellen Animationen und Lichtern beschienen zu elektronischen Klängen. Auch nach längerer Suche bleibt der psychedelische Nomadenstamm verborgen, und die rituelle Einnahme sakraler Substanzen entpuppt sich – zumindest hier – als reine Worthülse.
Der in Berlin lebende Musiker Jake the Rapper ist auch gerade in Basel im Forum. Laut Jake fehlt es ein wenig an Austausch – alles in allem sei die Veranstaltung ziemlich statisch. Später erscheint Jake The Rapper, um ein kleines DJ-Set zu machen. Danach haben wir kurz mit ihm gesprochen.
Vice: Was heisst für dich „psychedelisch“?
Jake: Es geht für mich um bewusstseinserweiternde Drogen. Das sind Sachen, die einen Effekt auf die Wahrnehmung haben. Oder sind es eher die psychologischen Effekte – psychedelisch? Ich denke mal: die Wahrnehmung verändernde, das Bewusstsein erweiternde Drogen. Ich hab ein sehr großes Faible für LSD. Das finde ich sehr, sehr gut. Ich mache aber keine Musik für LSD.
Kannst du deine Erfahrungen mit LSD beschreiben?
Ich habe erstmal mit 14 LSD genommen. Heute bin ich älter, und nach einer langen Pause nehme ich nur noch ganz wenig, und ganz selten. Einmal war ich als DJ auf einer Party und hatte LSD genommen. Ich konnte damals noch nicht so gut auflegen, da ich zu faul zum Üben war. Ich war ziemlich nervös, obwohl nur etwa 20 Leute im Raum waren. Als ich dran war, war ich so nervös – und auf Acid – dass ich nicht gecheckt habe, dass die Platte des vorherigen DJs nicht mehr lief. Ungefähr 30 Sekunden lang. Dann sagte ein Kollege zu mir, und dieser Satz hat – psychedelisch, bewusstseinserweiternd – für mich alles geändert: "Ich wusste gar nicht, dass du einer dieser DJs bist, die sich immer noch Sorgen machen, ob sie auflegen können oder nicht." Und da ging mir ein Licht auf. Immer wenn ich heute daran denke ob ich etwas kann oder nicht, weiss ich: das ist der falsche Zugang.
Darf man denn in Drogen die Wahrheit suchen?
Ich hab selber einige Probleme damit gehabt. Als ich zwanzig war, hab ich immer wieder gelesen, dass es bei Drogen darum geht, eine Tür aufzumachen, durch die du selber durchgehen musst. Die Erfahrung muss man selber machen. Mit zwanzig wollte ich die Antwort haben. Was ist Realität, warum sind wir hier, und so. Ich hatte viel genommen... Ich hab zwar keine Psychose gehabt, aber es war teilweise unangenehm und unnötig. Heute, wenn ich Drogen nehme, bin ich vorsichtig. Ich suche keine Antworten mehr in Drogen.
Kann mit Drogen der Weltfrieden erreicht werden?
Meine erste Reaktion: Verallgemeinerung – falsch. Da muss ich aber ernsthaft überlegen. Ich kenne viele Leute, die unter MDMA leiden. Die Erfahrung damit ist aber für fast alle Leute positiv. LSD ist vielleicht nichts für jeden. Da muss Interesse nach mehr vorhanden sein. Um Yoda zu zitieren: "Fear leads to hate, hate leads to the dark side." MDMA führt zu Frieden. Zum ersten Mal hab ich MDMA 1985 genommen, in total purer Form. Ich fühlte mich richtig wohl mit der Droge – sodass ich mich mit mir selber wohl fühlte. Dieses Geschenk habe ich dann 6 Monate mit mir rum getragen. Ich hab’s einmal genommen, und diese 6 Monate haben mir gut getan. So sollte man Drogen nehmen.
Stunden später, auf dem Nachhauseweg, beginnt es zu schneien. Jetzt müssen wir den psychedelischen Stamm nur noch finden, unser Bewusstsein erweitern, und Teil des psychedelischen Stamms werden – dann wird alles gut. Vielleicht am soziokulturellen Testfeld Boom Festival 2008 in Portugal oder in den Laboratorien der Basler Chemie?
Eins ist sicher: Alfred Hofmann war kein DJ.
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