OK, Taxi Driver ist nicht unbedingt als Dating-Anleitung konzipiert: Das Gehirn des gemeinen Pufftürstehers auf der Tapete zu verteilen, hört sich ritterlich an, ist aber mit der ganzen verbundenen Schweinerei auch heute noch eine Spur zu deftig, um eine zarte Kinderprostituierte ins Schwärmen zu bringen. Aber was ist mit der hübschen Wahlkampfhelferin, die Travis Bickle ins Pornokino ausführt? Ist das wirklich generell so eine dumme Idee?
Nicolas Müller ist einer der wenigen Menschen, die so nett sind, dass sie die Schwelle zum „dafür muss man sie hassen“ schon längst transzendiert haben und eigentlich nur noch liebenswerte Sonntagskinder sind, die von ihrem Traum leben. Er fährt mittlerweile seit zehn Jahren bei Absinthe-Filmen mit und weil sein Leben wirkt wie etwas, das nur einem Glückskind mit positivem Karmaüberschuss widerfahren kann, haben wir mit ihm über das Thema unserer aktuellen Ausgabe gesprochen — genau einen Tag, bevor sie im Archiv verschwindet und Platz macht für unser neues Baby. Hier sind Nicolas' Gedanken zu Moments Like This Never Last, Drogen, Masttieren und blauen Hintern...
Volker
Gerling lässt die Tradition des fahrenden Volkes wieder aufleben und zieht mit
einem Bauchladen voller Daumenkinos von Ort zu Ort. Der selbst ernannte Daumenkinograf
unterhält die Leute mit Ein-Zuschauer-Kino.Eigentlich
hat der Neo-Landstreicher Regie und Kamera studiert, aber entdeckte dann die
Schnittstelle zwischen Film und Foto für sich.
Sasha Grey ist sowas wie John Lennon für Porno. Nun ja, nicht ganz, denn sie fickt nicht für den Frieden, den Wald oder Pandas, sondern einfach, weil sie Spaß an ihrem Job hat. Der Sex ist dann aber intellektuell und wird metaphysisch verklärt und deswegen wurde sie ja auch von Steven Soderbergh gebumst; gebucht um in seinem neuen Film The Girlfriend Experience eine Edelprostituierte zu spielen.
Ich hörte Bruno S. zum ersten Mal in der Stadtklause spielen, einer kleinen Bar, die von harten Biertrinkern und Berliner Verrückten besucht wird. Es war wirklich nicht das, was ich erwartet hatte. Ich glaube, dass ich einfach nicht wusste, was ich von einem Typen zu erwarten hatte, der von seiner eigenen Familie verstoßen wurde, auf der Straße aufwuchs und schließlich aus dem Nirgendwo durch Werner Herzog zum Star in zweien seiner wichtigsten Filme gemacht wurde, bevor er daraufhin genauso schnell wieder in der Versenkung verschwand. Um ehrlich zu sein fühlte ich mich betrübt durch den Anblick eines Mannes, der in seinem Leben wahrscheinlich durch mehr gegangen ist, als der alltägliche tragische Held.
2009 ist das "Weltberühmte Regisseure drehen grottenschlechte-Filme"-Jahr. Der Neuste im Bunde: Almodovar. Almodovar hat ein Drama namens "Zerrissene Umarmungen" gedreht, mit, Überraschung, Penelope Cruz in der Hauptrolle, in dem sie, Überraschung, die geheimnisvolle Femme Fatale mimt. Nicht, dass wir das in Vicky Christina Barcelona nicht schon gehabt hätten. Oder in Woman on Top. Die Story (Noir-Dreier-Flashback-Gehangel) holpert sich bemüht am Klischee entlang: Eine betörende Schönheit, eifersüchtiger aber reicher Ehemann, leidenschaftliche Liebe, Flucht des Paares, Rache, Blut, Rache, Tod, späte Vergebung, aufbereitet mit ein bisschen Retroperspektive, die unrettbare Vergangenheit, er sie er er sie er bla bla bla bla. Was haben die Spanier eigentlich immer mit ihren Dreiergeschichten?
Die Crips and Bloods tragen seit den 60igern gerade mal sechs Meilen von Beverly Hills entfernt ihren rot-blauen Bürgerkrieg aus und Stacy Peralta musste damals als Jugendlicher—wenn er mit seinen Freunden auf dem Weg zum Strand war—immer zusehen, dass er ohne Prügel an den rivalisierenden Gangs vorbeikam. Für seine dritte Doku „Crips and Bloods: Made in America”, die am 14.08 auf DVD erscheint, hat er sich auf umständliche Art und Weise über Mittelsmänner Zugang zu beiden Gangs verschafft...
Stellt euch bitte mal dieses Bild vor: Ich im Alter von sieben Jahren. Ich verstecke mich zitternd unter meiner Bettdecke und scheiße mich in dem Moment ein, als ein verrückter Typ mit Glatze kurz davor ist, Peter Weller den Arm wegzupusten. Meine Ladung geht los, als ein Kugelhagel den frisch transformierten Großstadtbullen in eine undefinierbare Masse aus rot und grau verwandelt. Aber dieser zuckende Haufen Leichenfleisch wurde zu etwas, das ich mir nie hätte träumen lassen. Eine Maschine. Ein Held, der so stark war, dass er Detroit ein zweites Arschloch verpasste. Er erfand die Idee der Strafverfolgung noch mal neu und ergriff Besitz von der Vorstellungskraft aller Jungen, Mädchen, Frauen und Männer. Lehnt euch zurück und genießt ein Interview mit dem Typen, der Robocop geschrieben hat...
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