1. Kumpir ist anders.
Kumpir ist nicht einfach eine gefüllte Kartoffel. Es schafft andere Geschmacksrichtungen, andere Mengenverhältnisse und betrifft andere Kulturkreise. Die Füllung muss ihre Form der Kartoffel anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie hat die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Materalien den bestmöglichen Geschmack zu entwickeln - das schließt neue Back- und Füllungsmethoden mit ein.
2. Die Kartoffel ist ein Imperium in der Jackentasche.
Die Kartoffel ordnet das bestehende System neu: sie überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Zubereitung und Verbreitung ihrer Füllungen sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Döners wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt - zum Glück. Es bleibt nur die schmeckbare Qualität, die Essen von bloßer Nahrungsaufnahme unterscheidet.
3. Die Kartoffel ist die Gesellschaft ist eine Kartoffel.
Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie ChickenMcNuggets, Falafel oder Thai zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Erbsen oder belegte Brötchen. Wenn Schnellimbisse weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Essgewohnheiten annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen des Bestellens: Aufnehmen und Abrechnen, auch bekannt als Dialog.
4. Die Freiheit der Kartoffel ist unantastbar.
Die offene Oberseite des Kumpirs bildet die technische Grundlage einer ständig variierende Füllung und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen, geschlossen bleiben. Geschlossene Kartoffeln gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Salaten und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Füllung.
5. Kartoffeln sind der Sieg der Information
Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Dönerbuden, Chinaimbisse oder Restaurants die Nahrungsangebote der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuelle Kartoffel ein, während Kumpirmänner Nahrungsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Die einzelne Kartoffel kann sich so gut entfalten wie nie zuvor.
6. Kartoffeln verändern verbessern den Journalismus.
Durch Kartoffeln kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Füllung der Kartoffel als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Vorgesetzten ist ein Gewinn. Wer angesichts dieser neuen Nahrungsform bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.
7. Kartoffeln verlangen Vernetzung.
Kartoffeln schaffen Verbindungen. Wir kennen uns durch Kartoffeln. Wer sie nicht isst, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Imbissbuden.
8. Soßen lohnen, Salate zieren.
Gabeln und Löffel fördern den Vorgang des Essens: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Nachtische und Beilagen – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des gastwirtschaftlichen Diskurses und sind unbedingt schützenswert.
9. Die Kartoffel ist der neue Ort für den politischen Diskurs.
Kartoffeln leben von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Kumpirhaus und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe der Kartoffel.
10. Die neue Kartoffel heißt Kumpir.
Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Die Kartoffel hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg, Kumpir zu machen, für jeden gelten, der zur Erfüllung der Zubereitung beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahlten und unbezahlten, sondern zwischen guten und schlechten Kartoffeln.
11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Kartoffeln.
Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die ihrer Macht den Vorrang vor individueller Nahrungsaufnahme gaben und bei der Erfindung der Mikrowelle vor einer Flut unüberprüften fastfoods warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Kartoffeln, die bewiesen, dass mehr Füllung zu mehr Freiheit führt - sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
12. Tradition ist kein Geschäftsmodell.
Mit gefüllten Kartoffeln lässt sich Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Fastfoodangebot erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen der Essenden. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Kartoffeln brauchen einen offenen Wettstreit um die besten Füllungen und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren.
13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Kartoffel.
Das Urheberrecht ist ein zentraler* Eckpfeiler der Gastronomie. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Kartoffeln zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Kartoffeln verpflichten.
*) Stilblüten-Alarm aufgehoben
14. Kartoffeln kennen viele Währungen.
Werbefinanzierte Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zufriedenheit eines Essers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien von Schnellimbissen. Andere vertretbare Formen der Zubereitung wollen entdeckt und erprobt werden.
15. Was eine Kartoffel ist, bleibt eine Kartoffel.
Kumpir hebt die Kartoffel auf eine qualitativ neue Ebene. In einer Kartoffel müssen Käse, Salat und Soßen nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben enthalten und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Kumpirmänner müssen die Entwicklungen der Geschmäcker, ihre Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.
16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.
Die Kartoffel entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der essenden sind gestiegen. Die Kartoffel muss sie erfüllen und ihren oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.
17. Alle für alle.
Die Kartoffel stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die “Generation Kumpir” weiß im Zweifel die Qualität einer Kartoffel einzuschätzen, Füllungen bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Imbissbudenbesitzer mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Gästen nicht ernst genommen. Zu Recht. Die Kartoffel macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Esser, Zuhörer oder Zuschauer nannte - und ihr Wissen zu nutzen. Nicht die besserwissende, sondern die kommunizierende und hinterfragende Kartoffel ist gefragt.
Die Realität, 10.09.2009
Louie Louie
Wer mithelfen möchte, diesen Text zu übersetzen, kann das gerne tun.


RSS Feed abonnieren
Herrlich! *lach* Mehr davon. Schön zu sehen, dass ich nicht der Einzige bin, der mit diesem Manifest nichts anfangen kann. Falls es interessiert, ich habe das ebenfalls in Satire gepackt. Das entlarvt das Ganze wie ich finde immer noch am Besten: http://valmontsdiary.wordpress.com/2009/09/09/es-lebe-das-internet-manifest/
Kommentiert von: Valmont | 11. September 09 um 10:27 Uhr
lasst uns ein battle machen ;-)
http://stupidedia.org/stupi/Das_original_Internet-Manifest
Kommentiert von: benutzer name | 15. September 09 um 13:42 Uhr
Scheiße, ist das blöde, und noch nicht mal witzig geschweige denn lustig. Ich frage mich, warum man überhaupt noch die Hirnexkremente dieser "Vordenker" liest. Macht alle einen großen Bogen um Niggemeier, Lobo und Passig! Die sind nicht ganz knusper und wollen uns noch damit anstecken. Auf das wir irgendwann alle scheiße aussehen und Scheiße reden und schreiben und Werbung für votzefon machen! Aloha!
Kommentiert von: Peter von Frosta | 18. September 09 um 11:34 Uhr
Das mache ich fur meine Family des ofteren und alle mogen das Ich gebe zum Schluss noch ein paar gifeeestlte Mandeln uber den geriebenen Kase!
Kommentiert von: Nico | 22. Februar 12 um 05:13 Uhr