Das Abashiri-Gefängnis ist Japans unbekanntester Kerker aus der Meiji-Ära. Auf den abgelegenen Ausläufern Ost-Hokkaidos errichtet, wurden dort politische Gefangene und gefährliche Kriminelle dazu verdammt, lange, manchmal unbegrenzte, Strafen in diesem kleinen Höllenloch abzusitzen. Das harte, sibirische Klima forderte beinahe genausoviele Leben, wie die elenden Lebensbedingungen selbst. Aber Japaner mögen all diesen niederschmetternden, traurigen Scheiß nicht. Deswegen haben sie das Gefängnis abgebaut und es auf einem ein paar Kilometer entfernten Hügel wieder aufgebaut und es in ein animatronisches, spaßiges, Knast-Disneyland verwandelt. Nachdem es versetzt wurde, wurde an der gleichen Stelle ein noch immer in Betrieb befindliches Hochsicherheitsgefängnis errichtet. Es ist zweifellos auch nicht annähernd so schlimm ist, wie der alte Abashiri-Gulag, aber es ist immer noch kein Wochenendausflug.
Um uns einen geschichtlichen Überblick zu verschaffen, besuchten wir den Gefängnis-Vergnügungspark.
Das meiste, das in englischer Sprache verfasst war, machte keinerlei Sinn und wenn es doch mal Sinn ergab, dann wurde uns erzählt, was für eine gute Zeit die Gefangenen hatten, wie sie Freundschaften miteinander schlossen und so die wahre Bedeutung von Freundschaft kennenlernten—obwohl sie in Wahrheit erfroren oder aufgrund von Depressionen und Herpes krepierten.
Aber wenn man den posierenden Wachsfiguren Glauben schenken mag, dann verbrachten die Insassen den ganzen Tag damit, vor Freude zu tanzen.
Dieser Wartungstyp besucht die richtige Haftanstalt zweimal pro Woche, um kaputte Rohre zu reparieren und um Blut, Pisse und Kotze der Gefangenen aufzuwischen. Wir fragten ihn, ob die richtigen Insassen, am anderen Ende der Straße ebenfalls vor Glück tanzen würden. Aber anscheinend tun sie das nicht. Er darf jedoch auch nicht mit den Gefangenen sprechen, da sie zu gefährlich sind. Als wir ihn fragten, ob er jemals irgendeinen Ausbruch beobachtet habe, erzählte er uns, dass vor ein paar Jahren, mitten im Winter ein Typ es veruscht hatte. Aber nachdem er über die Mauer sprang und den Stacheldraht überwunden hatte, ertrank er im eiskalten Fluss.
Am darauffolgenden Tag parkten wir in einiger Entfernung zu dem echten Kanst und machten uns zu Fuß auf den Weg in Richtung des Komplexes.
Wir unterhielten uns mit diesem freundlichen Wärter. Zu Beginn wollte er es uns nicht gestatten Fotos zu machen, aber nachdem er anfing uns sympathisch zu finden begann er sogar für uns zu posieren—etwas, das den Thrill unserer fotografischen Spionage irgendwie kaputt machte. Er erzählte uns, dass die meisten der Gefangenen aus der Region um Tokio herum stammen würden—die meisten aufgrund irgendwelcher Drogenvergehen. Jedoch gibt es hier keinen Todestrakt mehr; ich bezweifelte, dass er so gesprächig gewesen wäre, wenn dem so wäre. In Japan ist die Todesstrafen-Prozedur noch immer recht hart. Den Gefangenen im Todestrakt ist jegliche Kommunikation mit ihrer Familie, ihren Freunden oder irgendjemandem sonst gestattet. Ihnen wird auch nicht gesagt, wann sie sterben, bis zum Tag ihrer Hinrichtung. Den Familien wird der Tod auch erst danach mitgeteilt.
Wenn man bedenkt, dass das ein Hochsicherheitsgefängnis war, hatte es eine Art Spielplatz-Frivolität an sich. Wir fragten, ob wir ein paar Gefangene interviewen könnten, aber der Wärter verwies uns einfach an dieses Blumenbeet und erzählte uns, dass es den Gefangenen bei guter Führung erlaubt sei, sie zu bepflanzen. Damit war die Sache geklärt.
Am anderen Ende des Gefängnisses, gab es einen Laden, der Dinge verkaufte, die von den Insassen hergestellt worden waren. Wie zum Beispiel diese flotten Bowling-Schuhe.
Wir hingen auf der sogenannten "Spiegel Brücke" (wo die Insassen die Möglichkeit haben zu reflektieren) ab und versuchten mit irgendjemanden, der vorbeilief zu sprechen. Verständlicherweise wollten die meisten Leute, die Insassen besuchten, unter keinen Umständen mit ein paar dahergelaufenen, ausländischen Punks sprechen.
Diese Dame war aus Tokio angereist, um ihre beste Freundin zu unterstüzen, die ihren Sohn hinter Gittern besuchte. Der Sohn war in einen Drogenring zwischen China und Tokio involviert und sie war ernsthaft besorgt über den Gesundheitszustand des Gefangenen, da er unterernährt war und unter schlimmen Bedingungen schlafen musste. Im Winter, wenn die Temperaturen bis auf Minus 20 Grad fallen, muss er noch immer in den gleichen, einfachen Laken schlafen, die er auch im Sommer benutzt. Es liegt an den Familien, die Insassen mit dem Nötigsten, wie Kleidung zu versorgen oder die Gefangenen würden einfach nur frieren, wahrscheinlich erfrieren.
Später folgten wir diesem Wärter, um einen kurzen Blick auf Gefangene bei der Gartenarbeit zu werfen.
"Sind das echte Gefangene?" fragten wir den Wärter. "Ja, Gefährliche. Sie sollten wegrennen."
"Wenn sie so gefährlich sind, warum haben sie dann Werkzeuge?"
"Deswegen bin ich ja hier, um sicherzustellen, dass sie sich benehmen."
"Aber sie haben ja nichteinmal eine Pistole."
"Oh."
ALEX HOBAN


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Find ich langweilig. Der sogenannte "Vergnügungspark" ist doch nichts weiter als ein Freilichtmuseum und es gibt bei weitem spannendere Berichte aus Gefängnissen...und damit meine ich nicht die Vox-Reportagen um 23 Uhr.
Kommentiert von: Cali | 14. August 09 um 21:11 Uhr
Hallo,
habe mir jetzt noch diverse Fotos angeschaut. Sieht ja wirklich gut aus. Werde das auch mal mit der Familie für nächsten Frühling einplanen. Im Winter ist es irgendwie so .. kalt ;)
Bye, Sarah
Kommentiert von: Sarah | 16. November 10 um 03:03 Uhr