Guiness-Rekordversuche sind normalerweise nur etwas für Menschen auf dem mentalen Stand von vierjährigen ADS-Patienten oder mit zu blühender Phantasie. Wollt ihr den größten, maßstabsgetreuen Nachbau des Taj Mahal aus Fußnägeln euer eigen nennen? Klar! Wollt ihr mehr Startkabel an eure Eier anschließen, als je ein anderer Mensch zuvor? Warum nicht? 99,9% dieser Rekordversuche sind so bescheuert, dass man bei der bloßen Schlagzeile „Guiness-Rekordversuch“ gleich sein Hirn ausblendet. Vielleicht war die Mittagspause einfach schon zu nah oder wir hatten alle diese heimlichen Phantasien, Sandwichs zu machen, die so riesig sind, wie die von Shaggy bei Scooby Doo. Als wir vom iranischen Versuch hörten, das "größte Sandwich der Welt" zu schmieren, wurden wir aufmerksam. Wie kann man auch kalt bleiben bei einem 1,5 Kilometer langen Brot mit 700 Kilo Hühnchenfleisch, 700 Kilo Straußenfleisch und das ganze auch noch zubereitet von 1.000 Köchen? Traurigerweise haben die Iraner sich ihre eigene Ruhmesparade verschissen, weil sie mit ihren gierigen Augen auf das ewig lange Brot zugestürmt sind und es in seiner ganzen Pracht verschlungen haben, bevor es vermessen werden konnte. Oops. Wir haben deshalb mit Pegah Farahmand, unserer UK VBS Frau aus dem Irak, gesprochen und wollten wissen, was sie von der Glanzleistung ihrer Landsleute hält.
(Das hier ist Pegah Passenderweise als Hot Dog verkleidet.)
Vice: Denkst du, die Iraner hatten das Zeug für so ein Vorhaben? Solche Fressgelage sind eigentlich eher Bratwurstfressenden Bayern oder Steakschlingenden Texanern vorbehalten.
Pegah Farahmand: Naja, ich habe die Erfahrung gemacht, dass Iraner ziemlich gut darin sind, riesige Mengen für ihre Gäste zu kochen. Also war die Vorbereitung wahrscheinlich ein Klacks für sie.
Und wie sieht’s mit dem Essen aus?
Wenn sie in irgendwas richtig gut sind, dann ist es Essen. Das einzige das Iraner noch mehr lieben, als zu essen ist umsonst zu essen. Sie hatten hier bestimmt nur noch den Preis im Auge. Seht euch mal diese Entschlossenheit auf den Fotos an. Nichts kommt zwischen sie und ihr Sandwich, auch wenn sie gar nicht den richtigen Preis gewonnen haben. In ihren Köpfen haben sie sich bestimmt sowieso wie die ultimativen Gewinner gefühlt, weil sie eine Riesenmenge Essen abgestaubt haben, ohne dafür zu zahlen.
Auf dem Weg zum Ziel sind sie einfach über ihr Verlangen nach kostenlosem Essen gestolpert!
Vielleicht sind sie einfach nur vorbeigelaufen und haben nicht verstanden was da los war und haben dann 1.400 Kilo Vogelfleisch gesehen und da sind ihnen die Pferde durchgegangen. Wahrscheinlich sind ihre Augen so cartoonmäßig zu Hähnchenschenkeln geworden. Teheran ist jetzt gar nicht mal so eine arme Region, es ist sogar die reichste Stadt im Iran und deshalb bin ich schon ein bisschen schockiert, wie übertrieben enthusiastisch die Menge auf die Chance reagiert hat, einen Bissen abzukriegen. Wobei, wenn ich es recht überdenke, hab ich auf schon bei den Grillabenden meiner Mutter chaotische Szenen erlebt. Die Leute stehen alle ums Feuer herum und haben nur noch eins im Sinn. Manchmal nehmen sie sich das Fleisch direkt vom Mangal runter, bevor es serviert wird. Iraner lieben Essen und sie schämen sich nicht dafür. Das ist es wohl. Gegen so eine Liebe hat noch nicht mal ein Weltrekord eine Chance.


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