Eigentlich haben wir ja gedacht, dass DJ Buzz nach der vermutlich längsten Woche seines Lebens entweder wie Felix tot umfällt oder zumindest den Rest des Jahres um Plattenspieler so einen großen Bogen macht wie Kanye West in Zukunft um Preisverleihungen. Deshalb wundert es uns auch so, dass Buzz für die Irie Daily Geburtstagsparty am 30.10 eine Ausnahme macht, wo er doch eh schon jede Nacht von riesigen, ihn auffressenden Plattentaschen träumt und nicht schreiend sondern scratchend aufwacht.
Mittlerweile dürfte ja schon der ein oder andere von dieser großartigen Veranstaltung namens Sneakerness mitbekommen haben. Wenn nicht können wir euch auch nicht helfen und wünschen euch einen schönen Tod in Jack Wolfskin Sandalen.
Was ihr vielleicht aber noch nicht mitbekommen habt, ist die Tatsache, dass es nicht nur Programm für die Jungs und Mädels mit den Zahnbürsten in den Taschen gibt, sonder auch was für deren kleine Geschwister/Kinder oder all die unter euch, die sich von ihrem Taschengeld keine Quickstrike Releases leisten können bzw. noch gar nicht geboren waren als Nike den Jordan 4 rausbrachte und denen deshalb die ganze sogenannte Sneaker Culture ziemlich am Arsch vorbei geht.
Ein Schuh, der die Sneaker-Kultur mit sympathisch-penetranter Vehemenz belagert, ist der Air Max 1. Er wurde in den späten Achtzigern entwickelt (Nike hat da natürlich eine dicke Geschichte zu erzählen – Centre Pompidou, Architekten-Designer, erster wasweissich,....) und mit einem schicken Novum ausgestattet: Das berühmte Luftkissen-Guckloch. Spätere Ausprägungen mit mehr Luftlöchern und einer sportlicheren Gesamterscheinung sind zum Gabber-Schuh aufgerückt. Die chavs, lads und Haberer von Manchester bis Wiener Neustadt haben mit dem AM Classic und aufgeschnittenen Jeans den Tanzboden (oder das Parkdeck) geschrubbt.
John Rocha ist ein Urgestein der London Fashion Week. Er arbeitet nun hauptsächlich mit Debenhams zusammen (das ist das englische Äquivalent zu C&A), aber die Pressemitteilung zu seiner neuen Kollektion klingt so, als wäre sie die avantgardistischste, grenz-überschreitenste Obama-Che-Dick-Chick-Revolution, die es geben kann. Während ich also über seine "Intensität und die Klarheit in der Vision" las, war ich zur Hälfte davon überzeugt, dass ich etwas anschauen dürfte, dass mein Leben verändern würde, aber nein, das tat es nicht.
Der ultimative Pop-Art-Modedesigner Jean-Charles de Castelbajac ist ein waschechter Marquis und—was für einen männlichen Modedesigner eigentlich noch komischer sein dürfte—er ist nicht mal schwul (dem großartigen Täuschungsmanöver zum Trotz, das er beim Weltjugendtag des Vatikans abgezogen hat).
On/Off Presents hat auf der London Fashion
Week vier Designer präsentiert und um ehrlich zu sein, konnte man über die ersten drei nicht viel mehr als "bla, bla und so weiter" sagen. Berechenbarerweise gab es jede Menge passgenau drapierter Stoffe. Die vierte
Designerin, Yang Du, war hingegen alles andere als übel. Die Gute stammt aus China
und ihre Kleider lassen Models wie menschliche Monsterfratzen aussehen. Yang Du
schafft es, pelzige Monstervisagen für Leute tragbar und attraktiv zu machen,
die keine Plüschtiere sind.
Die Mode ist am Ende. Die großen Fashion-Stores kopieren
gegenseitig ihren Stil und die Luxus–Labels kann man sich als Durchschnittsbürger
sowieso nicht leisten. Also lassen wir uns in H&M-, American Apparell-, oder
Zara-Normen pressen und glauben, durch geschickte Kombination, trotzdem einen
eigenen Stil entwickeln zu können.
Ähnlich sieht‘s mit dem Wohnen aus. Wir alle haben aufgehört
zu wohnen, und leben stattdessen in unseren 4 Wänden, die von Pax, Expedit und
Billy regiert werden. Wir merken erst beim Besuch unserer Nachbarn und Freunde,
dass wir das Bett in dem wir schlafen mit ihnen allen teilen müssen.
Manchmal schaffe ich es, mir das perfekte Outfit zusammenzustellen. Ich quetsche meinen Arsch in irgendeine hautenge Illusion von Sexyness, nur um danach von der Realität meines Gesichts eingeholt zu werden. Mein großer, dummer Kopf macht alle Modeambitionen zunichte. Das ist in etwa so, als würdest du einen Sack voller fetttriefender Würstchen und Glasmurmeln auf einem Weihnachtsbaum anbringen. Mysteriöse Beulen und verkrustete Pickel teilen sich mein Gesicht und über Nacht kriege ich immer wieder diese gruseligen schwarzen Härchen. Ernsthaft, die sind mindestens so Angst einflößend wie Spinnenbeine.
Es ist schon schwer für mich zu entscheiden welchen der 3
Passionswege ich gehen soll. Am besten alle 3, die sind zeitlich eh
hintereinander angesetzt. Wer sich jetzt fragt welcher kranken Sekte ich
beigetreten bin, den kann ich beruhigen. Die Leiden Christi gehen mir immer
noch am Arsch vorbei, ich geh nur auf die VIENNA DESIGN WEEK.
Was ist eigentlich daraus geworden, dass Bands niedlich und nach Spaß und einfach so aussehen sollen, als seien sie genau dazu geboren, eben eine Band zu sein? Wenn wir noch eine Band ansehen müssen, die aussieht, als wäre sie gerade aus dem Bett gefallen, in eine Karohemdenfabrik gestolpert und hätte es unterwegs geschafft, sämtliche Hygienegrundlagen zu ignorieren, dann sind wir vielleicht bald dazu gezwungen, unsere eigenen Augen zu essen.
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