Mit 10
Jahren sind mein Bruder und ich immer zu unserem Nachbarn Hannes rübergegangen
um auf seinem Computer mit dem winzig-gelb-orangen Bildschirm Pacman und Prince
of Persia zu spielen. Ich war immer scheiße, weil meine Hände und
Augen quasi nicht miteinander verbunden sind und ich nach 3 Minuten tot war.
"MHHHHH, can you make it big please?" ließ sich das Houseverbot-Kollektiv nicht zweimal sagen. Zum Bersten volles Kulturzentrum in der Niesenberger. Schwitzig, tanzwütig, umwerfend schön, und lang. Um halb 12 war's vorbei und du wolltest keine Sekunde missen. Großartiges Publikum, wie die Musik verspielt und der Abend im allgemeinen. Play it again!
Hab ich es dann doch noch geschafft, dieses Review zu schreiben. Auf die Rückseite eines Saturn Einkaufszettels, als Unterlage hat mir ein Sixpack Red Bull gedient.
Dieser Teil spielt in Afrika. Wer also Probleme damit hat in schönster UNICEF Optik Erykah Badu das Gesicht wegzuschiessen, schaut vorher lieber noch einmal Fight Club.
Ich stehe ein bisschen neben mir und mein Kopf dreht sich. Das liegt nicht daran, dass ich schon den ganzen Vormittag versuche, einen Hardflip, über diese Schlampe von einem Stufenset, sauber in einem Nose-Manual zu landen. Hat auch nichts damit zu tun, das ich ziemlich viel rauche, seit Skate 2 im Laufwerk steckt. Immerhin soviel, das ich jetzt immer vor dem Schlafengehen, Ganja Restl unter meinen Eiern finde. Nein, das ist alles einberechnet. Was mich so schwindelig macht, ist, das hier ein komplexes und extrem anspruchsvolles Videospiel vor mir liegt, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die physikalische Welt des Skateboards perfekt zu simulieren.
Rot ist die Sonne, rein ist das Blut und tief wie die Nadel unter die Haut geht der Ehrenkodex. An der Spitze all der Blond gefärbten Hostessen, all der kastenlosen Koreaner und all der hitzigen afrikanischen Türsteher steht in Tokio der stolze Yakuza und zählt sein Geld unter Neon. Die Menschen unter uns, die territoriale Faustkämpfe und das Ausbeuten von jungen, naiven Provinzmädchen (wir erinnern uns an Patrick Ortlieb und die Tiefgarage) im Blut haben zünden sich jetzt eine Mild Seven an (Zigaretten, gemacht für stolze Säugetiere. Zigaretten mit weißem Filter).
Es ist zwar eher selten, dass einem hierzulande noch von Aufbruchsstimmung getriebene Menschen mit Top Gun T-Shirts, euphorisch "Doc Hollywood" oder "Karate Kid" ins Gesicht schreien, (das passiert dann doch eher in Ghana oder Pakistan). Aber wir müssen uns gar nichts vormachen. Wir alle sind stolze Amerikaner und dann kommt lange nichts. Und wenn Eazy E mit Alyssa Milano fickt, kommt wahrscheinlich ein Mitteleuropäer dabei raus. Deswegen muss man, wenn es um Videospiel Top Ten Listen geht, eigentlich nur FIFA mit NHL, Madden mit Pele vertauschen und schon hat man die Bestseller der Videospiel-Kunst interkontinental von Houston bis Salzburg homogen abgedeckt.
Endlich ist es wissenschaftlich belegt, unser gutes, altes Tetris hilft Trauma-Opfern bei der Bewältigung ihrer Angst. Blöcke herumschieben beruhigt und hält die bösen Flashbacks auf Distanz. Interessant. Georgische Kriegsgeschädigte, die in den Neunzigern nie dazugekommen sind Dr. Mario zu spielen, werden dankbar für diese Beschäftigungstherapie sein. Die Jüngeren unter euch haben nach dem psychedelisch klingenden Fremdwort "Tetris" jetzt wahrscheinlich Nasenbluten und wischen sich das Zeug mit einem Baby Milo T-Shirt vom Gesicht und machen sich kurz Sorgen um AIDS.
Im Umgang mit Kindern sollte das oberste Credo lauten: "Teach them well." Und gerade zur Weihnachtszeit, in der wir doch alle so gerne schenken, haben wir die Chance, die lieben Kleinen in unserem Umfeld sinnvoll zu prägen und sie auf die kommenden Zeiten (ihr wisst schon, Finazkrise, vollständiger Zusammenbruch des Geldwesens, 3. Weltkrieg ...) vorzubereiten. Erste Lektion: Waffenkunde, und das funktioniert am besten mit Metal Gear Solid 4. Wir geben zu, wir haben noch nie so eine enorme Bandbreite an Schusswaffen zu Gesicht bekommen. Und wir sind beeindruckt. Hier, eine kleine Auswahl:
Für jemanden, der die Herr Der Ringe Trilogie nicht einmal zu Hause stehen hätte, wenn es eine Fassung ohne Liv Tyler als brabbelnde, mongoloide Elfe gäbe, war die Nachricht, das Bethesda Softworks sich an dem radioakiv dreckigen RPG Franchise, Fallout versucht, ein spannendes Ereigniss. Das sich das US Entwicklerstudio im Rollenspielfach auskennt, haben sie in den letzten Jahren eindrucksvoll mit ihrer "Elders Scrolls" Reihe bewiesen. Gute Spieldesigner. Pumaschuträger vielleicht, aber gute Menschen.
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