Natürlich kennst du Jenny Shimizu aus Steven Meisels
allgegenwärtiger Calvin Klein CK One-Kampagne, die alle Magazine und
Reklametafeln auf der ganzen Welt überzieht. Und wahrscheinlich hast du
auch die Fernsehspots gesehen, mit den ganzen fertig aussehenden
Psychopathen (inklusive Quentin Crisp und Jennifer Trux!) die
herumstehen, sich unterhalten oder „slamdancen“ während Kate Moss, das neue
Vorzeigegesicht für den „Waif-Look“ verlauten lässt, „CK One… a
fragrance for a man or a woman.“
Ihr wisst alle darüber bescheid, wie die Mode immer verrückter und
intelligenter und komplizierter wird. Das gilt auch für die Schuhe -
besonders wenn man sich die Schuhe von der Fashion Week vor kurzem
anschaut. Aber im Grunde stimmt das gar nicht so wirklich. Schuhe sind
bei weitem nicht so innovativ, wie ihr vielleicht denkt.
Ryan Turner treibt sich jetzt schon seit Jahren in der Lower East
Side herum. Mit seiner Willie Nelson Frisur ist dieser schelmische
Rotschopf kaum zu übersehen. Ryan ist vor allem klug und kein
Klugscheißer: Er ist der rasant redende Real Deal. Früher bildete er
eine Hälfte der Verantwortlichen hinter der Ludlow Menswear Kollektion
THECAST, heute wandelt er auf eigenen Pfaden.
Es ist möglich Cineast zu sein ohne gleichzeitig ein schlimmer Nerd
zu sein. Man muss nur die Location wechseln und sich die beste Freundin
schnappen, um vom Image des isolierten Sonderlings wegzukommen. Und
ach, ein paar schicke Klamotten tun den Rest.
Eigentlich haben wir ja gedacht, dass DJ Buzz nach der vermutlich längsten Woche seines Lebens entweder wie Felix tot umfällt oder zumindest den Rest des Jahres um Plattenspieler so einen großen Bogen macht wie Kanye West in Zukunft um Preisverleihungen. Deshalb wundert es uns auch so, dass Buzz für die Irie Daily Geburtstagsparty am 30.10 eine Ausnahme macht, wo er doch eh schon jede Nacht von riesigen, ihn auffressenden Plattentaschen träumt und nicht schreiend sondern scratchend aufwacht.
Der weltweite, kongolesische Fashionkult namens La Sape (Society for
the Advancement of People of Elegance) datiert zurück auf die Rückkehr
afrikanischer Soldaten nach Brazzaville, nachdem sie für Frankreich im
ersten Weltkrieg kämpften. Nachdem der zairische Despot Mobutu Sese
Seko versucht hatte, die Rückkehr traditioneller Kleidung in den 60ern
durchzudrücken, führte das zum La Sape Revival durch den
Soukous-Musiker Papa Wembe. Die urbane, kongolesische Jugend wollte
nichts mit Mobutus Authentizität zu tun haben und so begann die
sektenartige Verehrung europäischer Mode, die mit den Sape Bewegungen
von heute assoziiert wird.
Ein paar glitzernde Objekte, ein paar Fenster und zwei Mädchen, die
aussehen, als wären sie ohne Umwege einem Giallo-Film entstiegen, ist
manchmal alles, was du brauchst, um wunderschöne Fotos zu zaubern.
Das hier ist Nick Mahshie, das Hirn hinter „Tranqui Yanki“, einem
Kunstprojekt, das nach dem argentinischen Finanzkollaps 2001 nach Miami
umgezogen ist. Tranqui Yanki zieht durch Buenos Aires mit seinem
heißgeliebten „Super Pancho Armario“ (dem Super Hotdog-Schrank). Er
spricht dann von sich selbst in der dritten Person und dass diese
dritte Person Müll in „tragbare Kunst“ verwandelt. Er sagt so was wie,
„Fuck fashion, I’m fashion“, wenn jemand sagt, dass die Leute, denen
seine Sachen gefallen, Idioten sind. OK, entspann dich mal, Typ…
Ein Schuh, der die Sneaker-Kultur mit sympathisch-penetranter Vehemenz belagert, ist der Air Max 1. Er wurde in den späten Achtzigern entwickelt (Nike hat da natürlich eine dicke Geschichte zu erzählen – Centre Pompidou, Architekten-Designer, erster wasweissich,....) und mit einem schicken Novum ausgestattet: Das berühmte Luftkissen-Guckloch. Spätere Ausprägungen mit mehr Luftlöchern und einer sportlicheren Gesamterscheinung sind zum Gabber-Schuh aufgerückt. Die chavs, lads und Haberer von Manchester bis Wiener Neustadt haben mit dem AM Classic und aufgeschnittenen Jeans den Tanzboden (oder das Parkdeck) geschrubbt.
Ich mag meine Schuhe. Obwohl sie schon sehr ausgelatscht
sind und nicht mehr ganz so edel wie noch vor ein paar Monaten daherkommen, so
waren sie bisher treue Begleiter bei meinen Exzessen. Im Laufe der Zeit kann
man schon eine sehr innige Beziehung zu seinen Schuhen aufbauen. Die von Kotze
immer noch klebrige Sohle, der Wichsfleck auf dem Stoff, der nicht mehr runtergeht,
die eingetretenen Glassplitter nach der letzten Schlägerei, all das sind kleine
Geschichten, die sich auf unseren Schuhen manifestieren und uns jeden Tag beim Anziehen ein verträumt-nostalgisches Lächeln aufs Gesicht zaubern.
Recent Comments