
Die Isländer übernehmen Manitoba. Das einst so glamouröse Land, das jetzt offiziell pleite ist, verliert seit über 100 Jahren seine Bürger an Kanada, und Manitoba beheimatet heute grob geschätzt 88.000 dieser Goolies (ein Schmähwort für Isländische Kanadier, wahrscheinlich geprägt von der rivalisierenden Immigrantengruppe, den Ukrainern), was verrückt ist, schließlich ist das ungefähr ein Drittel der Gesamtbevölkerung Islands.
Gimli ist eine kleine Stadt, eine Stunde nördlich von Winnipeg. Sie ist ein beliebtes Ziel für Tagesausflügler, aufgrund ihres Strands und der schönen ländlichen Kultur Manitobas, die hier noch erhalten ist. Umgeben von den konservativen Farmern Manitobas sticht Gimli hervor, wie ein blonder Daumen an der Hand eines Rothaarigen. Die Stadt ist Wikinger-Territorium und stolz darauf, aus diesem Ruf Kapital zu schlagen. Aber, um diese eigenbrötlerische Subkultur der zentralkanadischen Ebene besser zu verstehen, eine Kultur, zu der ich mich stolz zähle, musst du das Mutterland verstehen: Island.
Gimli wurde 1875 zu Nyja Iceland (Neu Island), zu einer Zeit, als die Isländer so stolz auf ihre niedrige Analphabeten Quote waren, dass sie ernsthaft darüber diskutierten, statt Kindern Bücher auf die Boote mitzunehmen, mit denen sie ihre von Vulkanausbrüchen geschüttelte Insel verlassen wollten.

Island ist bekannt für seine landestypische Küche voller herber Fleischsorten und Schichtkuchen, seine Bücherwürmer, die Nordische Mythologie und Isländische Sagen. Obwohl es eine Lutherische Nationalkirche Islands gibt, würden sich die meisten wohl als Teil der Ásatrúarfélagið (der Asatru Assoziation) bezeichnen, was im Grunde nichts anderes heißt, als – in den Worten des Isländisch-Kanadischen Regisseurs Guy Maddin: „Sie sind ein Haufen Heiden, verflucht noch mal.“

Heidnische Traditionen und Bräuche sind in der Isländischen Kultur überall. Legenden der Unterwelt werden über Generationen weitergegeben durch Frauen wie Elva Simundsson, eine typische Isländerin und Einwohnerin von Gimli. Sie servierte mir eine heiße Tasse Kaffee und erzählte humorlos Geschichten der Huldufolk Bevölkerung in der Gegend Neu Islands.
Dinge, die ich von Elva gelernt habe: Die Huldufolk (Verborgenes Volk) (oder Alfar Elfen) leben in einer Paralleldimension. Sie sind sehr gut gekleidet, werden von einer Königin regiert, mögen die Farbe blau und wohnen in Steinen. Nicht in einer Steinformation, nicht unter Steinen, sondern in Steinen. Als ich sie fragte, ob sie sie selbst schon einmal gesehen habe, sagte Elva: „Nein, aber das heißt nicht, dass es sie nicht gibt – das hier ist nicht das einzige Universum, und wir Menschen sind so arrogant, wenn wir das glauben.“
Die Huldufolk sind nicht nur ein großer Teil der Isländischen Kultur, sie beeinflussen sogar wirklich Entscheidungen über Islands Infrastruktur. Man möchte doch nicht ein Dorf voller Unsichtbarer einbetonieren, oder?

Als ich mehr über die Huldufolk nachforschte, wurde mir geraten, die „normale Schule“ von Gimli zu besuchen. Heute ein Verwaltungsgebäude, war die „normale Schule“ früher eine Grundschule und Heimat einiger Huldufolk, die mit den ersten Siedlern emigriert waren. Die lokalen Berühmtheiten Sorri und Sneibjorn nisteten sich in der Schule ein und versuchten sie zu zerstören, indem sie einen Ziegelstein aus dem Zentrum des Gebäudes entfernten (in der Erwartung es würde zusammenbrechen). Nun, Unsichtbare, die mit der Statik eines gebäudes herumpfuschen, um Kinder umzubringen: das ist ein ziemliches Alptraum Szenario, aber nicht in Gimli! Anstatt den Ziegelstein zu ersetzen, oder einfach nicht an Elfen zu glauben, haben sie den die Lücke extra hervorgehoben, als immerwährende Erinnerung daran, dass die Huldufolk existieren, auch wenn man sie nicht sehen kann.

Das hier ist Bryna Thoren, eine niedliche Isländische Einwohnerin von Gimli. Sie sah ganz besonders ernst aus (was die Isländer gerne tun), als sie auf dem Weg war ihrerAmma (Großmutter) Hardfiskur zu bringen, ein regionaltypisches Gericht. Hardfiskur ist getrockneter, weißer Fisch, am besten mit Butter genossen. Du kannst diesen Snack in Gimli an jeder Ecke finden.
Im Hintergrund sieht man das Stadtdenkmal, eine viereinhalb Meter hohe Statue eines Wikingers, eine der Hauptattraktionen der Stadt. Die örtliche Jugend versammelt sich hier und betrinkt sich mit Brennevin, ein ekelhafter, billiger Schnaps aus Island.
In der Kälte am dreckigen See rumzuhängen ist nicht die einzige Art von Nachtleben, die Gimli bietet. Samstag abends gehen die meisten Zum Wikinger, die einzige Tanzbar der Stadt, in der sich ein buntes Publikum versammelt, von frisch eingebürgerten Farmern bis zu Single Moms in ihren Vierzigern.

Letzten Samstag sind diese örtlichen Berühmtheiten im Wikinger aufgetreten: The Paps („Vier talentierte Gimli High School Girls, die den Rock n Roll lieben. Wow!“ steht auf ihrer MySpace Seite). Ihr Indierock Sound passt nicht ganz zu der Schroffheit ihres Namens, aber sie sind der einzige Act in der Gegend, also kriegen sie alle Gigs, die sie haben wollen.

Das sind Marianne Johansson und Evan Finney. Ihnen gehört das Gimli Hotel, auch bekannt als das „Oldie.“ Die ganzen blonden, blauäugigen Leute in Gimli lassen einen manchmal denken, man wäre in Das Dorf der Verdammten, also stechen die zwei hier ziemlich hervor. In den Schankraum hier sind die Leute gekommen, um Nachmittagscocktails zu sich zu nehmen, an Spielautomaten zu sitzen und Hardcore Pornos anzuschauen. Die Pornos wurden inzwischen abgeschafft, aber es gibt hier fantastischen Borscht. „Das ist der älteste Laden der Stadt, und wir sind am längsten hier!“ sagt Finney. Die Ausstattung wurde noch nie verändert und die Tische sind immer noch mit Teppich überzogen.

Photo donated by Elva Simundsson. 1924 Fjallkona, Sigrun Lindal
Jedes Jahr gibt es in Gimli das Island Fest Islendingadagurinn, das zweitälteste, andauernde Ethno Fest in Nordamerika. Dann spielt die Stadt verrückt. Das Wochenende ist vollgestopft mit Wettbewerben und Events; Highlights sind u.a. die Frisnock Turniere, die Wikingerdörfer und ein großer Ball. Zu dieser Zeit wird auch die Fjallkona gekrönt (Maid des Berges). Die gewählte Frau muss in der Gemeinde sehr aktiv sein, die Verbindung herstellen zwischen Island und den Isländischen Einwohnern Manitobas. Sie trägt ein aufwendiges Kleid, das von großer Symbolkraft ist; ihre spitze Krone repräsentiert das Eis, ihr grüner Umhang die Felder Islands und der schwarz-weiße Pelzkragen repräsentiert die Berge. Zwei junge Mädchen stehen ihr zur Seite, wenn sie auf einem Thron sitzt, für eine Zeremonie, die vom Isländischen Konsulat durchgeführt wird. Ziemlich mittelalterlich, genauso wie an Wesen zu glauben, die in Steinen wohnen. Ich schätze, so wird man eben in einer unglaublich kahlen Prairie, die niemand sonst wollte.
SULA JOHNSON
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